Nisthilfen
 
 
 
 
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Deutsches Bienenmuseum in Weimar

Der Rückgang der vielen verschiedenen Hautflüglerarten ist alamierend! Dies beruht zum einen auf einem immer hemmungsloseren Umgang mit Herbiziden und Insektiziden - wider jeglicher Vernunft. Zum anderen auf einem immer größer werdenden Mangel an geeigneten Nistmöglichkeiten wie nicht imprägnierten Zäunen und Bauhölzern, brüchigem Mauerwerk und aufgelassenen Sandlöchern. Deshalb ist es an der Zeit etwas zu tun!

Keine Angst! Es muß später nicht so aussehen wie auf diesem Foto vom wunderbaren Nisthilfenstand des Bienenmuseums in Weimar. Der Fantasie sind jedoch natürlich keine Grenzen gesetzt.

Man muß auch nicht sofort eine ganze Anlage mit allen nur erdenklichen, verschiedenen Nistmöglichkeiten bauen, sondern es genügen schon einzelne Hartholzblöcke auf dem Balkon. Man kann Nisthilfen an eine Gartenlaube, an eine Mauer oder einfach freihängend an einem Baum anbringen. Am besten eignet sich natürlich ber eigene Bienenstand. *zwinker*


Bienengarten "Am Zippe" in Hattingen

 

Wichtig ist, dass der Anbringungsort eine möglichst sonnige und windgeschützte Lage hat. Empfohlen wird oft eine Ausrichtung nach Süden, jedoch wurden in der Praxis alle Nistblöcke unabhängig von der Himmelsrichtung bezogen.

Auch vor Regen und Nässe sollte der Ort geschützt sein. Nutzen Sie einfach vorhandene Möglichkeiten unter Dachvorsprüngen, Laubdächern oder in Hausecken. Ein einfaches Balkengerüst mit einem Dach aus Brettern und Teerpappe ist, auch wenn man kein Zimmermann ist, leicht zu bauen. Selbst eine so schlichte Konstruktion, wie der Wildbienenstand des Imkervereines Hattingen (auf dem linken Bild zu sehen), erfüllt diesen Zweck.

Die Nisthilfen sollen auf alle Fälle das ganze Jahr über im Freien bleiben und dürfen auf keinen Fall ins Haus geholt werden.

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Nisthilfen
 
 

Am besten geeignet für die Nistklötze sind Harthölzer wie Eiche oder Buche. Auch Holz von Obstbäumen kann verwendet werden. Ungeeignet sind harzhaltige Hölzer wie Fichte und Tanne, da dieses Harz die Flügel verkleben könnte. Am besten nehmen Sie gut abgelagertes Holz, damit sich keine Risse bilden. Löcher mit Rissen werden nicht angenommen, weil Schädlinge leicht eindringen können. Selbstverständlich darf das Holz nicht mit giftigen Imprägniermitteln - was sie leider meistens sind - behandelt worden sein.

In dieses Holz bohrt man Löcher mit einem Durchmesser von 1 - 10 mm. Es ist egal ob Sie Holzscheiben verwenden und die Bohrungen in der Stirnseite anbringen oder einen Stamm hochkant durch die Rinde anbohren. Die Löcher müssen waagerecht oder leicht nach unten geneigt angelegt werden, damit sich keine Staunässe im Inneren bilden kann. Die Bohrungen sollten möglichst sauber und ohne Grate (Splitter an der Außenkante) sein, damit sich die Insekten nicht verletzen.


Nistklotz aus Holz

Die eigene Herstellung von Nistböcken ist dagegen etwas aufwändiger. In eine etwa 120 mm dicke Tonplatte werden mit geeigneten Stäben Löcher von 1 bis 10 mm Durchmesser gebohrt. Danach werden die Löcher auf der Rückseite verschlossen. Andernfalls würden sich die Löcher beim herausziehen des Stäbchens durch den entstehenden Unterdruck wieder verschließen. Danach muß das ganze noch gebrannt werden.

Es gibt aber im Handel Nistblöcke in vielen Ausführungen fertig zu kaufen. Oft werden sie unter dem Namen "Bienenhotel" angeboten. Einige der Anbieter finden Sie in unserer Rubrik "Links".

Eine weitere Möglichkeit ist es, einen Holzrahmen von 120 mm Tiefe zu bauen und diesen mit Lehm zu verschmieren. In den getrockneten Lehm werden dann die Löcher gebohrt.

Man kann Ziegelsteine anbohren - oder gleich Lochsteine verwenden - und diese lose zusammenmauern, bzw. auch hier später in die Fugen bohren.


Nistblock aus Holzbeton

Eine weitere einfache Variante sind Nisthilfen aus hohlen oder markhaltigen Stängeln und Zweigen z.B. Schilf, Stroh, Bambus, Sommerflieder, Brombeere oder Himbeere. Sie sollten fest zu einem Bündel verschnürt angeboten werden, damit sich die Vögel nicht einzelne Zweige herauszupfen können. Eine Seite der Stängel sollte verschlossen sein. Zu diesen Zwecken kann man die Zweige am besten in eine etwa zu 20 mm mit Gips gefüllte Blechdose stecken.

Sehr interessant sind auch Beobachtungskästen mit durchsichtigen Kunststoffröhrchen. Diese versenkt man bündig im abnehmbaren Deckel einer ca. 150 mm tiefen Holzkiste (Breite & Höhe: ca. 200 mm) und verschließt sie am Ende mit Watte. Der Innendurchmesser der Röhrchen sollte 3 - 10 mm, ihre Länge etwa 100 mm betragen. Achten Sie darauf, dass Sie den Deckel leicht abnehmen können (Griff).

Eine mit Sand gefüllte Kiste rundet das Angebot an ihren Wildbienenstand ab. Es können auch Kunststoffbehälter genommen werden, die allerdings an der Unterseite Löcher haben müssen, damit keine Staunässe entsteht.

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Nisthilfe aus Pflanzenstängeln

 
 
Bewohner
 
 


Ein Tagesgast fühlt sich gestört

Die Gruppe der Hautflügler in Europa umfasst etwa 1000 Arten. In NRW leben etwa 450 Bienen- und Wespenarten, von denen über die Hälfte akut gefährdet ist. Natürliche Lebensräume werden durch "Pflegemaßnahmen" (Imprägnierung von Bauholz, Entsorgung von Totholz, usw.) als Brutplatz ungeeigtet gemacht. Dabei sind diese Insekten wichtige Bestäuber von Pflanzen, die ohne diese Hilfe auch nicht existieren können.

Bekannt sind den meisten Leuten nur wenige Arten wie Honigbiene und Wespe - und selbst da haben noch viele Menschen Schwierigkeiten bei der Unterscheidung. Dies wird sich mit dem anbringen von Nisthilfen schnell ändern, da sich innerhalb kürzester Zeit eine Vielzahl von Insekten einfindet, die man am Wegesrand kaum wahrnehmen würde. Bei mir wurden die Nisthölzer schon besiedelt, als ich sie nach dem Bohren in der offenen Garage liegen ließ.


Ein Dauergast legt eine Kinderstube an

Es ist überaus interessant sich mit Wildbienen zu beschäftigen. Schon allein deren Umgang mit den unterschiedlichsten Nistmaterialien macht sie zu faszinierenden Studienobjekten.

Die Angst vor Stichen ist trotz des Namens "Wildbiene" völlig unbegründet. Zum einen bemerkt man diese zurückhaltenden Gäste meist überhaupt nur, wenn man die Nisthilfen direkt beobachtet, zum anderen sind fast alle Arten sehr friedfertig und benutzen ihren Stachel nur in Notwehr. Die einzeln leben Tiere (Solitäre Arten) können es sich gar nicht leisten, mit einem Stich ihren Tod und damit auch die Erhaltung ihrer Art zu riskieren und sind entsprechend vorsichtig.

So kann man ungestört beobachten wie die Tiere ihre Brutkammern anlegen.


Ein Schmarotzer nutzt die Arbeit anderer

Die Brutkammern werden dann mit Pollen, Nektar oder kleinen, erbeuteten Insekten als Proviant für die Larven befüllt, womit sie ganz nebenbei noch der Massenvermehrung sogenannter Schädlinge (z.B. Blattläuse) entgegen wirken. Am Ende wird das ganze mit Lehm, Sand oder pflanzlichen Materialien zugemauert.

Selbst danach gibt es noch etwas zu sehen, wenn Schmarotzerarten wie die Schlupfwespen sich einfinden und die fremden Gelege anbohren um hier ihre Eier zu legen. Die Schmarotzerlarve lebt dann vom Proviant oder direkt von der Wirtslarve.

Weitere Fotos finden Sie übrigens in der Rubrik "Impressionen", weitere Informationen in den Rubriken "Bienen" und "Hautflügler".

Meine schönste Beobachtung war eine grün-violett schimmernde Art, die auf dem Foto ganz oben zu sehen ist ...

Bericht und Fotos von Jörg Mersmann

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